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September 5th - - Berliner Zeitung - Der Rückzug der Löwen von Basra

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Wirkliche Kontrolle über die Stadt hätten sie schon seit langem nicht mehr ausgeübt, glaubt der Experte der konservativen Times, Richard Beeston. Um eine neue Sicherheitsstruktur zu schaffen, hätten die Briten frühzeitig auf die tonangebenden Kräfte im schiitischen Süden des Irak gesetzt, analysiert Oberst Christopher Langton vom Londoner Institut für Strategische Studien IISS. Später habe sich in Basra ein Macht-Vakuum entwickelt.
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05 September 2007: Berliner Zeitung
 
Die britische Armee soll ihren "Verpflichtungen dem Irak gegenüber" weiter nachkommen. Was heißt das?
 
Sebastian Borger
 
Natürlich würden die verbliebenen britischen Soldaten auch in Zukunft ihren "Verpflichtungen gegenüber dem irakischen Volk" nachkommen, beteuerte der britische Premierminister Gordon Brown gestern Mittag. Doch was dies bedeutet, darüber herrscht unter den Betroffenen Rätselraten. Iraks Außenminister Hoschjar Sebari scheint sich jedenfalls nichts Genaues darunter vorstellen zu können. Von der BBC befragt, wie es in der südirakischen Metropole Basra weitergehen solle, sagte Sebari: "Wir erwarten von den Briten konstruktive Beiträge zum Wiederaufbau. Sie sollten nicht nur herumsitzen und nichts tun."
 
Genau dies aber scheinen sich viele Armee-Führer zu wünschen. Nach dem unblutig verlaufenen Rückzug der letzten verbliebenen rund 550 Soldaten aus der Innenstadt von Basra konzentriert sich die britische Präsenz jetzt auf den festungsartig ausgebauten Stützpunkt am Flughafen außerhalb der zweitgrößten irakischen Stadt. Von dort aus seien die insgesamt 5500 Briten zwar weiterhin für die Sicherheit in Basra zuständig, heißt es in London. Notfalls könnten sie den Irakern auch wieder vor Ort Hilfe leisten, behauptet Premier Brown. Experten ziehen dies in Zweifel, schließlich galten zuletzt die Fahrten zwischen Flughafen und dem einstigen Palast des hingerichteten Diktators Saddam Hussein in der Innenstadt als "Selbstmord-Kommandos", wie der Labour-Abgeordnete Kevan Jones bei einem Besuch des Iraks vor kurzer Zeit erst feststellte.
 
Vor allem aber widerspräche eine erneute Präsenz der Briten in Basra der Logik, die ein Sprecher der Streitkräfte vor Ort als Argument für den gerade erst erfolgten Rückzug ins Feld führte. "Unsere Abwesenheit trägt hoffentlich dazu bei, dass Basra ruhiger und weniger gewalttätig wird", sagte Oberstleutnant Patrick Sanders. Tatsächlich richteten sich den Angaben von Anwohnern zufolge zuletzt 90 Prozent der Gewalt-Akte in Basra gegen die britischen Besatzer.
 
Wirkliche Kontrolle über die Stadt hätten sie schon seit langem nicht mehr ausgeübt, glaubt der Experte der konservativen Times, Richard Beeston. Um eine neue Sicherheitsstruktur zu schaffen, hätten die Briten frühzeitig auf die tonangebenden Kräfte im schiitischen Süden des Irak gesetzt, analysiert Oberst Christopher Langton vom Londoner Institut für Strategische Studien IISS. Später habe sich in Basra ein Macht-Vakuum entwickelt.
 
Einem Bericht der International Crisis Group zufolge ist Basra, die zweitgrößte Stadt des Irak, schon seit Monaten in der Hand unterschiedlicher schiitischer Gruppen, in deren Machtkämpfe sich die Briten zuletzt nur noch ungern einmischen mochten. In London verstand sich gestern nur das Massenblatt Sun dazu, den Rückzug der "Löwen von Basra" als Ruhmestat feiern. Die meisten Kommentatoren stimmten mit dem linksliberalen Guardian überein: Das Verteidigungsministerium "strapaziere seine Glaubwürdigkeit", wenn es den Rückzug als Teil einer Reihe erfolgreicher Machtübergaben an örtliche Iraker kennzeichne.
 
Im genauen Gegenteil stellt Times-Kolumnist Beeston eine pessimistische Prognose: "Iran wird den Rückzug als großen Erfolg seiner Politik ansehen." Der große Nachbar und seine Verbündeten, vor allem die Mahdi-Miliz des Klerikers Moqtada al-Sadr, stünden bereit, um das Macht-Vakuum in Basra zu füllen.
 
Offiziell wollen die Briten die Macht in Basra im Lauf des Herbstes an die 10. Division der irakischen Armee übergeben. Außenminister Sebari nannte gestern als Termin November oder Dezember diesen Jahres. Aus drei weiteren Provinzen im Süden des Irak haben sich die Briten bereits gänzlich zurückgezogen.