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October 12th - - Financial Times Deutschland - Einsatz am Hindukusch gerät in Gefahr

Der Militäreinsatz in Afghanistan beschert nicht nur der Bundesregierung wenig Zustimmung in der Bevölkerung: Aufgrund großen Unmuts daheim erwägen die Niederlande und Kanada eine Reduzierung ihrer Truppen. Und auch die italienische und polnische Regierung stehen wegen der Mission unter Druck. "Es ist beunruhigend, in wie vielen Nato-Ländern es Unzufriedenheit gibt", sagt Christopher Langton, Afghanistan-Experte des International Institute for Strategic Studies in London. "Sollte ein größerer Truppensteller sich zurückziehen, dürfte das einen Dominoeffekt haben."
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12 October 2007: Financial Times Deutschland
 
In vielen Truppenstellerländern ist die Öffentlichkeit gegen die Nato-Mission · Chef des Militärbündnisses fordert neue PR-Strategie
 
Von Fidelius Schmid, Brüssel, Florian Eder, Mailand, und Friederike von Tiesenhausen, Berlin
 
Der Militäreinsatz in Afghanistan beschert nicht nur der Bundesregierung wenig Zustimmung in der Bevölkerung: Aufgrund großen Unmuts daheim erwägen die Niederlande und Kanada eine Reduzierung ihrer Truppen. Und auch die italienische und polnische Regierung stehen wegen der Mission unter Druck. "Es ist beunruhigend, in wie vielen Nato-Ländern es Unzufriedenheit gibt", sagt Christopher Langton, Afghanistan-Experte des International Institute for Strategic Studies in London. "Sollte ein größerer Truppensteller sich zurückziehen, dürfte das einen Dominoeffekt haben."
 
Experten machen vor allem die Nachrichten von toten Soldaten und zivilen Opfern für den Unmut verantwortlich. Es gäbe aber auch eine Wechselwirkung zwischen politischen Fehlern und falscher Kommunikation. "Wir sagen seit einiger Zeit, dass die internationale Gemeinschaft Afghanistan falsch angepackt hat. Sie hat den Süden und die Grenze zu Pakistan einfach zu lange unbeachtet gelassen", sagt Nick Grono, Vizepräsident der International Crisis Group. Dafür bezahlten die Regierungen auch den Preis in Umfragen.
 
Rund zwei Drittel der Deutschen würden beim Bundestagsentscheid am Freitag gegen die Verlängerung des deutschen Nato-Mandats in Afghanistan stimmen. Nach der jüngsten Umfrage des Instituts Omniquest lehnten 61 Prozent ein neues Mandat für die derzeit 3200 Bundeswehrsoldaten am Hindukusch ab, 29 Prozent waren dafür. Der Bundestag wird jedoch voraussichtlich mit großer Mehrheit für den Regierungsantrag stimmen, der im Prinzip den Einsatz unverändert fortführen würde.
 
Anderswo hat der Unmut schon zu politischen Turbulenzen geführt. Die Niederlande verhandeln mit anderen Nato-Staaten, um ihr Kontingent von derzeit rund 1700 auf 1200 Mann zu kürzen. Ähnliche Gedanken macht sich Kanada über seine 3000 Soldaten. Und Italiens Ministerpräsident Romano Prodi verlor im März wegen des Afghanistan-Einsatzes eine Abstimmung zur Außenpolitik und musste deswegen kurzzeitig zurücktreten. Das italienische Kontingent in Afghanistan ist knapp 2300 Mann stark.
 
Lediglich bei den beiden größten Truppenstellern des rund 40 000 Mann starken Nato-Einsatzes, den USA und Großbritannien, spielt Afghanistan in der öffentlichen Diskussion keine große Rolle. In beiden Ländern dominiert der Irak-Krieg.
 
Durch den Widerstand daheim sind viele Regierungen doppelt unwillig, die Anforderungen der Nato-Führung in Brüssel zu erfüllen. Diese beklagt immer wieder einen Mangel an Truppen und Material. Vor allem Hubschrauber sind knapp. Um in der Schlacht um die öffentliche Meinung besser mithalten zu können, forderte Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer diese Woche, Videos mit Gewalttaten der Taliban freizugeben. Diese hat die Nato bisher als Verschlusssache behandelt. So könne mehr Unterstützung für die Isaf-Mission gewonnen werden, sagte de Hoop Scheffer. Nach Angaben von Diplomaten soll diese Initiative in den kommenden Wochen im Militärbündnis diskutiert werden.